15.06.2008 Geiranger HM, Norwegen
- Vom Fjord ins Fjell -
Norwegen - "Die Landschaft ist so schön, dass es
innerlich schmerzt und mit Worten nicht zu beschreiben"
(so das Zitat im Reiseführer). Um uns selbst ein Bild
von der Schönheit Norwegens zu machen führte uns unser
Urlaub in das Königreich im Westen der skandinavischen
Halbinsel. Die drei "F" prägen das Bild der norwegischen
Landschaft - Fjord, Fjell und Foss. Fjord, als
Bezeichnung für einen von einem Gletscher
ausgeschliffenen, tief ins Landesinnere hineinreichenden
Meeresarm, ist weitgehend bekannt. Als Fjell werden die
kargen, weiten Hochflächen, die sich an die steilen
Wände der Fjorde anschließen, bezeichnet. Ebenso wird
der Begriff allgemein für die Hochflächen und
Hochgebirge verwendet. Da die Baumgrenze zwischen 500
und 1000 Meter liegt wird klar, dass dieses Land, in dem
50% oberhalb von 500m liegt, zu großen Teilen aus
Hochgebirge besteht. Das dritte "F", das neben Fjord und
Fjell die norwegische Landschaft prägt ist der Foss
(=Wasserfall). Davon gibt es sehr viele spektakuläre im
Land der Wikinger zu sehen.
Unsere Reise führte uns von Oslo relativ schnell nach
Geiranger zum schönsten Fjord Norwegens, dem
Geirangerfjord, welcher auf der UNESCO-Welterbe-Liste
steht. Einige Wochen vor dem Urlaub hatte ich zufällig
von dem Lauf erfahren und mir vorgenommen dort zu
starten, wenn es irgendwie in unsere Reiseplanung
reinpassen würde. Dummerweise war ich mir nicht mehr
sicher, ob der Lauf am Samstag oder am Sonntag
stattfinden wird und so kamen wir schon am Freitag
Mittag nach Geiranger. Wir bauten unser Zelt am
Campingplatz direkt am Fjord auf und stellten später
anhand eines Plakats fest, dass der Lauf am Sonntag
stattfinden würde. So blieb am Samstag noch Zeit für
eine schöne Wanderung zu einem Foss (Wasserfall) und
eine Sightseeing Bootstour auf dem Geirangerfjord.
Direkt danach ging es zur Anmeldung. Dass Norwegen nicht
gerade billig ist, hatten wir schon gemerkt und somit
sind die 400 NOK (ca. 50 Euro) Startgeld nicht sehr
verwunderlich und als Urlaubserlebnis zu verbuchen. In
der Startertüte fand sich neben Startnummer, Powerade
Flasche, Schokoriegel, Transponder auch ein Infozettel
zum Zeitplan, den es erst mal zu entschlüsseln galt.
Nachdem das Wetter die Tage zuvor durchwachsen war,
zeigte es sich am Sonntag von seiner besten Seite. Zum
Start um 11:30 Uhr war es ordentlich warm und die
Entscheidung zum Träger-Shirt bereits längst gefallen.
Der Startbereich, direkt am Fähranleger des
Mini-Örtchens (keine 300 Einwohner), war ziemlich
belebt. Läufer, Radfahrer und einige Touristen waren
unterwegs. Nach dem Schülerlauf und dem Halbmarathon
wurde 30min später das Radrennen gestartet. Die Schüler
laufen "nur" 4km mit 300 Höhenmeter(!!). Läufer und
Radler erwartet ein voller Halbmarathon mit Ziel auf dem
Dalsnibba. Frâ Fjord til Fjell - vom Fjord ins Fjell
bedeutet dann auch von 0 auf 1500m. Die Strecke verläuft
über ca. 16km auf der Passstraße bevor es die letzten
Kilometer auf einer Schotterpiste dem Ziel entgegen
geht. Die Steigung verläuft insgesamt ziemlich
gleichmäßig. Nur nach KM 4 bzw. KM 14 gibt es jeweils
für ca. 1-2km eine etwas flachere Passage.
Vom Start weg versuche ich mein eigenes Tempo zu laufen.
Vorne rennen schon einige ziemlich schnell los und ich
zähle bei der ersten und letzten Möglichkeit, ungefähr
300m nach dem Start, ca. 35 Leute vor mir. Im weiteren
Verlauf des Rennens ziehen noch einige an mir vorbei,
unter anderem auch 2 Frauen. Gelegentlich sind vom
Straßenrand "Heia, Heia" Rufe zu hören. Die Ruhe der
Bergwelt stören nur immer mal wieder die Fahrzeuge, die
auf der nicht abgesperrten Passstraße unterwegs sind.
Eine Straßensperrung ist undenkbar, bedeutet dies doch
bis zu 200km Umweg. Der Großteil der Fahrzeuge sind
jedoch Touristen, die nicht in Eile sind. Der eine oder
andere hält dann doch an und schaut sich das Rennen vom
Straßenrand aus an. Die Strecke war mir zum Teil schon
durch die Anfahrt nach Geiranger bekannt. Nur im Auto
bergab ist etwas anderes als zu Fuß bergauf. Irgendwann
ist die 700m Markierung erreicht und das Schildchen am
Straßenrand zeigt "nur" noch 10km an. Ein etwas jüngerer
Läufer, mit dem ich die letzten 6km gelaufen bin, zieht
langsam davon und ich merke, wie die Power nachlässt.
Dann endlich ist die "Hochebene" (ca. 1000m) erreicht
und es geht für kurze Zeit flach weiter. Ungewohnt für
die Beine, aber willkommen. Am Straßenrand türmen sich
teilweise noch die Schneemassen bis 2m hoch. Von hinten
rauschen immer mehr Radler heran und vorbei. Endlich
biegt die Strecke auf die Schotterpiste ein. Jeder, ob
Läufer oder Radler, kämpft sich voran. Mittlerweile ist
die Strecke wirklich im Winter angekommen. Schnee oder
Geröll säumt den Weg. An der letzten der vielen
Verpflegungsstationen (wirklich gut gemacht) schütte ich
mir nochmals etwas über, bevor ich wenig später die 2km
Marke erreiche. Die Uhr zeigt 1:48. Jetzt ein 6er
Schnitt und ich schaffe es noch unter 2 Std. geht es mir
durch den Kopf. Leichter gesagt als getan. Die 1km Marke
kommt nicht näher. Endlich, das Ziel schon in Sichtweite
geht es kurz durch eine Senke und dann die letzten Meter
bergan. Ich gebe noch mal alles und versuche etwas Gas
zu geben, sehe Sandra mit der Kamera an der Seite stehen
und stürze ins Ziel. Der Transponder wird mir
abgenommen, ein Mädel hängt mir eine Medaille um und ich
versuche Luft zu bekommen. Ich habe es geschafft, bin
glücklich und froh Sandra zu umarmen und wenig später
die phänomenale Aussicht zum Fjord hinunter zu genießen.
Der Zielbereich ist schon ziemlich gefüllt mit den
Läufern und Radfahrern und immer weitere treffen ein.
Direkt neben uns fahren 3 Skifahrer ab. Die Rückfahrt
mit dem Bus dauert ca. 50min und der Weg vom Start zum
Campingplatz ist irgendwie länger geworden. Nach der
kalten Dusche geht es besser und wir schauen uns die
(leider wenig besuchte) Siegerehrung vor der
wunderschönen Kulisse am Hafen an. Die Ergebnisliste
zeigt nur die Altersklassenwertung an. Bei den Männern
zwischen 23-39 finde ich mich auf Platz 17 mit einer
Zeit von 2:01:43. Der schnellste Läufer des Tages ist
Jon Tvedt in unglaublichen 1:31:20. Nach genauerem
Studium der Ergebnisliste zähle ich mich auf Platz 41 im
Gesamteinlauf. 36 Männer und 4 Frauen vor mir. Insgesamt
haben 145 Männer und 21 Frauen das Ziel erreicht.
Immerhin war ich der schnellste "Nicht-Skandinavier" ;-)
Später genießen wir die letzten Sonnenstrahlen vor
unserem Zelt und planen unsere weitere Reise. Als wir
gegen 23:30Uhr in den Schlafsack kriechen ist es immer
noch hell - was für ein Tag!
Facts:
21,1km - 1500HM; 80% Asphalt; 20% Schotter
Wetter: sonnig, Temperatur ca: Start 22°C, Ziel 15°C